14 August 2019

Madeleine Rascher - Das Leben leben - (Pressebericht Glarner Woche, 14.8.19)

Das Leben leben

von Angelika Tanner - Glarner Woche - 14. August 2019


Madeleine Rascher ist eine Person, die nur positive Energie ausstrahlt. Sie lacht gerne und mag Menschen, das merkt man sogleich. Und sie vergisst gerne mal, wie alt sie eigentlich ist. «30», sagt sie nach kurzem Rechnen – und lacht. «Mein Alter ist mir eigentlich wurscht!», findet sie. Trotzdem
ist sie froh, über 25 Jahre alt zu sein. «Als Teenager hatte ich immer das Gefühl, mich beweisen zu müssen. Heute behandeln  mich die Leute nicht mehr so von  oben herab.» Und wenn, dann sei es ihr egal. Meistens bringe man ihr aber Respekt entgegen, vor allem wenn man erfahre, dass sie bereits ein Kind habe.
Rascher ist Gesangs- und Klavierlehrerin an der Modern Music School in Mitlödi. «Als Lehrerin kann ich Leuten helfen, zu sich selbst zu finden. Das gibt einem eine unheimliche Freiheit.» Sie unterrichtet jedoch nicht nur, sondern tritt auch selber regelmässig als Sängerin auf. In Bern ist sie in einer Rockband, Jesters Quest, mit eigenen Songs. Ausserdem ist sie momentan daran, eine Coverband aufzubauen. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sie ihren eigenen Sound findet und eine eigene CD aufnehmen kann. Bis anhin ist sie noch am Herausfinden, auf welchen Musikstil sie sich konzentrieren möchte. «Ich singe gerne Rock – denn ich schreie gerne – und Soul, mag aber auch ruhige Songs», zählt sie auf. Auch Sprechgesang mag sie und probiert immer wieder gerne Neues aus. Ihr Traum: «Mit einer eigenen Band auf Tournee zu gehen.»
Eine musikalische Erfahrung ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Früher, im Begleiteten Wohnen, hatte Rascher mit ihren Mitbewohnern – «solch typischen Goldketteli-Jungs» – auf der
Strasse musiziert. Spontan seien sie angefragt worden, ob sie an einem Wettbewerb in Winterthur
mitmachen wollten. «Die Jungs sind auf der Bühne richtig aufgegangen. Sogar ältere Leute blieben stehen, um uns zuzuhören. » Man hört ihr an, dass sie noch immer davon beeindruckt ist, wie ihre Kumpane plötzlich eine andere Seite zeigten. «Als hätten sie gemerkt: ‘Hey, das, was ich mache, kommt bei den Leuten an.’»
Wenn Rascher sich beruflich nicht für die Musik entschieden hätte, wäre sie wahrscheinlich im sozialen Bereich gelandet. Auch jetzt möchte sie sich ein bisschen in diese Richtung bewegen und in den nächsten Jahren mit sogenannten «schwierigen Jugendlichen» arbeiten. «Ich war selber so eine ‘schwierige Jugendliche’», erklärt sie und findet: «Im sozialen Bereich könnte man viel mehr in Musik investieren.»
Ein weiteres Anliegen ist Rascher, ein bisschen naiver zu werden gegenüber anderen Menschen. «Wir sind immer im Verkaufsmodus, anstatt dass man dazu steht, wie man ist.» Lieber sei man einmal übertrieben blöd als übertrieben anständig. Sie erinnert sich noch besonders an ein bestimmtes Ereignis: Sie war mit ihrem vierjährigen Sohn zusammen im Bus unterwegs und die beiden begannen spontan, «What shall we do with a drunken sailor» zu singen. «Der ganze hintere Teil des Busses hat mitgesungen!», sagt sie begeistert und fügt grinsend hinzu: «Stell dir vor, ich hätte das alleine gemacht, ohne meinen Sohn. Da hätten sie wahrscheinlich zuerst einmal die Polizei oder den Psychiater geholt.» Nachdenklich sagt sie dann: «Man geht immer automatisch davon aus, dass die Menschen Schlechtes von einem denken, dabei ist das nicht unbedingt so.»
Madeleine Rascher sprudelt vor Ideen und Eindrücken, Wünschen und Engagement. Es gibt so vieles, das sie noch ausprobieren, verändern, leben möchte. Sie schmiedet sogar bereits Pläne für ihre älteren Jahre: Klingelstreiche, Telefonstreiche, Leute erschrecken… «Niemand vermutet eine unschuldig aussehende alte Dame hinter den Streichen!», sagt sie grinsend.